Dinosaurier-Prog Rock? Man kann mit Omar Rodriguez-Lopez toll über derlei Schubladen streiten. “Prog?”, fragt der Gitarrist und Musikautor von The Mars Volta dann zum Beispiel zurück. "Wie kann innovative und fortschreitende Musik nicht progressiv klingen? Als ich den Begriff “Emo” das erste Mal hörte, war meine Reaktion ähnlich. Wie kann etwas so Persönliches und Herzerreißendes wie die eigene Musik nicht emotional sein?"
“Scabdates”, das erste Live-Album, wurde 2004 und 2005 mitgeschnitten, auf den Tourneen für das von Rick Rubin produzierte “De-Loused In The Comatorium” und ihr letztes Studiowerk “Frances The Mute”, das “von Isolation und Sucht handelt”, so Texter Cedric Bixler Zavala. Süchtig – im positiven Sinn – kann schnell werden, wer sich auf die ebenso komplexe wie unmittelbar treffende Musik von The Mars Volta einlässt. Bixler Zavalas’ haarsträubender Oktavenseiltanz, die Gitarrenkabinettstückchen von Rodriguez-Lopez, ein Drummer, der den Geist John Bonhams zum Leben erweckt, ein Bassist, dem auch Salsa-Linien nicht fremd sind, dazu elektronische Impulse – in den 74 atemberaubenden Minuten von “Scabdates” findet selbst das zusammen, was Schubladendenker nicht zusammengehören lassen möchten.